2012-03-21

Beitrag zur Zukunft der BibCamps

Das Bib meets KnowledgeCamp 2012 ist vorbei und es war ein großer Erfolg. Ich freue mich sehr darüber und möchte allen an der Organisation Beteiligten meinen Dank ausdrücken: allen voran den FH-Studierenden, die einen Großteil der Planung, Organisation übernommen haben und eine optimale Infrastruktur für ein erfolgreiches BibCamp bereitgestellt und am Laufen gehalten haben. Ihren Dozenten Ursula Georgy und Tom Becker, die das Management übernommen haben. Den Mitorganisatoren Constanze Döring (Stadtbibliothek Köln), Elke Rösner und Ulrike Ostrzinski (ZB MED), Susanne Hilbring (Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, MPIfG) und natürlich Karlheinz Pape von der Gesellschaft für Wissensmanagement (gfwm).
Ich selbst war auch an der Organisation beteiligt und ich denke, wir alle können stolz auf das Ergebnis sein. Im Sinne einer gesunden Weiterentwicklung des BibCamps möchte ich im Weiteren auf einen Punkt eingehen, der zu einiger Diskussion während der Planungen geführt hat.

Man war nicht immer einig bei der Planung...

Sicher können sich alle Organisatoren darauf einigen, dass das #bkc12 ein großer Erfolg war. Bei der Planung des BibCamps fiel uns eine Einigung allerdings auch manchmal schwer, insbesondere als es um Sponsoren und ihre Außendarstellung im Rahmen des BibCamps ging. Da dieses Thema - soweit ich es mitbekommen habe - auch bei vorherigen BibCamps zu Diskussionen geführt hat, es aber nie öffentlich diskutiert wurde, möchte ich zu einer solchen Diskussion mit diesem Beitrag einladen. Auch denke ich, dass dieser Beitrag zukünftigen BibCamp-Organisatoren zur Vermeidung einiger Diskussionen nützlich sein kann.

Was das BibCamp ausmacht

Was gehört zu diesem "Geist des BibCamp"? Ich würde folgende Punkte zu den grundlegenden Dingen zählen:
  1. Die Teilnehmer/innen
  2. Räumlichkeiten
  3. Verpflegung
  4. WLAN
Dies sind sozusagen die notwendigen Bedingungen für ein erfolgreiches BibCamp. Sobald diese vier Dinge gegeben sind, ist der Erfolg eines BibCamps gesichert. Darüber sollten sich zukünftige Organisatoren im Klaren sein und nicht denken, sie müssten die von vorherigen BibCamps gesetzte Messlatte immer wieder erreichen oder gar überbieten. Nein, das müsst ihr nicht, sorgt erstmal dafür, dass die Fundamente stehen ehe ihr über Anbauten nachdenkt.

Sponsoren und Institutionen stehen im Hintergrund

Eine weitere Eigenschaft des BibCamps war es bisher, dass Organisationen - seien es Sponsoren oder veranstaltende Einrichtungen - immer im Hintergrund standen. Sie wurden auf dem Blog genannt und auch vielleicht bei der Begrüßung kurz erwähnt. Manche Sponsoren haben VertreterInnen zum BibCamp gesandt. In Hamburg wurden sogar die Räume nach den Sponsoren benannt. Logos, Banner, Stände oder eine anderweitige Präsenz von Organisatoren wie Sponsoren auf dem BibCamp selbst gab es aber nicht. Das war den Organisatoren bisher wichtig und es ist auch mir wichtig. Den Sponsoren ist dies auch klar und freundlicherweise finden sich immer wieder welche, die das BibCamp unterstützen. Danke.

Diese Unaufdringlichkeit der Sponsoren und kommerziellen Anbieter ist einer der Aspekte, in denen das BibCamp sich erfrischend von etablierten Veranstaltungen wie dem Bibliothekstag abhebt. Den Hauptorganisatoren von der FH Köln war dies bei der Planung des #bkc12 verständlicherweise nicht klar, hatten sie doch allesamt noch kein BibCamp besucht. Constanze, Elke und ich war es aber wichtig, den "Geist des BibCamps" zu bewahren, Logos, und Marken im Hintergrund zu halten und keine Banner oder werbenden Informationsstände auf einem BibCamp einzuführen.

Stand != Stand

Über Stände wurde unter den Organisatoren des #bkc12 besonders ausgiebig diskutiert. Hintergrund war, dass dem BIB in der anfänglichen Planungsphase untersagt wurde, einen Informationsstand im Rahmen des BibCamps aufzustellen, obwohl er einen solchen als eine Bedingung für eine 500-Euro-Spende nannte. In dieser Frage hatten sich insbesondere Constanze Döring, Elke Rösner und ich durchgesetzt, denn uns hatte gerade dieser Aspekt auf vorhergehenden BibCamps immer sehr gefallen. Informationsstände kann man sich ja schließlich auf allen anderen bibliothekarischen Konferenzen anschauen. Auf der anderen Seite waren wir aber auch kompromissbereit und es wurden zwei Stände erlaubt (die Cocktailbar der Firma Lenk und die Itinerant Poetry Library), weil sie eben keinen werbenden Charakter haben, sondern einen anderen Sinn verfolgten: Erfrischung respektive Unterhaltung/Wissensvermittlung. Ich denke, wir haben hier die richtige Wahl getroffen und werde mich auch weiterhin prinzipiell gegen werbende Informationsstände auf BibCamps aussprechen, seien diese von kommerziellen oder nicht-kommerziellen Organisationen.

Nicht nachvollziehen konnte ich die Reaktion des BIB, der sich ob der Absage des Standes not amused zeigte. Er ließ über Tom Becker als seinen Vertreter unter den BibCamp-Organisatoren verlauten, dass er in Zukunft seine finanzielle Unterstützung für BibCamps einstellen werde, weil er als "kommerzieller anbieter" hingestellt worden sei. Eine solche Typisierung des BIB als kommerzielle Entität lag allerdings allen Beteiligten fern, es haben sich lediglich einige gegen einen Infostand des BIB ausgesprochen. Meines Erachtens keine souveräne Reaktion des Berufsverbands.

Was meint ihr?

Mich würde interessieren, wie andere BibCamp-Teilnehmer/innen die Frage nach Ständen und generell der Sponsorenpräsenz auf dem BibCamp sehen. Hat euch die Zurückhaltung der Sponsoren bisher auch so sehr gefallen oder stündet ihr einer "Bibliothekstagisierung" (die ja auf anderen Ebenen ohnehin stattfindet, weil das BibCamp eben im Mainstream angekommen ist) des BibCamps, d.h. einer Zunahme von Werbeständen, Bannern etc. gleichgültig bis positiv gegenüber?

Kommentare:

Martin de la Iglesia hat gesagt…

Wie man zum Umgang mit Sponsoren steht ist eine ziemlich heikle, da nicht zuletzt ideologische, Frage. Ich finde jedenfalls die BibCamp-Lösung gut: Die Sponsoren waren ja nicht völlig unsichtbar, sondern z.B. auf Plakaten und Flyern erwähnt. Dank dem BibCamp weiß ich jetzt, daß es "Wolpertingers Warenhaus" gibt, und wenn ich mich für Wein interessieren würde, hätte ich mir bestimmt mal die beiden diesjährigen Sponsoren-Weingüter angeschaut. Insofern funktioniert das System für beide Seiten.

viola hat gesagt…

bis zur lektüre dieses artikels war mir gar nicht bewußt aufgefallen, wie angenehm zurückhaltend das sponsoring auf dem kölner bibcamp (mein erstes) war -- die saftbar, die mir persönlich sehr gut gefallen hat, ausgenommen. den poetry-library-stand hab ich zwar gesehen, aber nicht als sponsorenwerbung, sondern eher also informationsangebot wahrgenommen.
jetzt, da ich darüber nachdenke, würde ich mir wünschen, daß es so "diskret" bliebe.
vielleicht könnte man aber bei der überlegung "stand ja/nein" im fall von berufsverbänden kulanter sein als für "richtig kommerzielle" anbieter.

Anonym hat gesagt…

ich kann den kommentar von viola nur unterstützen. ein berufsverband ist in dem sinne keine kommerzielle einrichtung. dagegen war es die saftbar der firma lenk schon.

wo man also hier die grenze gezogen hat, ist mir nicht ganz klar. denn auch wenn die saftbar eine tolle sache war und die werbung für die firma lenk wirklich sehr dezent bis kaum wahrnehmbar war, so war es dennoch eindeutig kommerzielle werbung.
dagegen will ein berufsverband ja bei einer solchen veranstaltung weniger sponsorenwerbung, als vielmehr informationen an seine zielgruppe weitergeben.

und um die verwirrung perfekt zu machen: die itinerant-poetry-library ist in meinen augen ein kunstprojekt und hat weder einen kommerziellen noch einen informationsvermittelnden hintergrund.

Adrian Pohl hat gesagt…

Sicher ist die Itinerant Poetry Library ein Kunstprojekt. Das schließt aber nicht aus, dass dadurch Wissen vermittelt oder ein Verstehen über bestimmte Sachverhalte, Unterschiede und Zusammenhänge generiert wird. Im Gegenteil, Kunst und Lyrik dienen m.E. ebenso der Erkenntnis wie Wissenschaft und Journalismus. Mir haben einige der Gedichte aus der Bibliothek ein größeres Verständnis bzw. überhaupt erst die Wahrnehmung bestimmter Themen/Probleme ermöglicht. Abgesehen davon, dass der Anmeldeprozess und die Nutzung der Bibliothek sehr unterhaltsam waren...

Lambert hat gesagt…

Adrian, vielen Dank dafür, das Thema in einer größeren Öffentlichkeit zur Diskussion gestellt zu haben. Es schadet der Verbreitung des Konzepts Barcamp, wenn solche kontroversen Fragen nur hinter irgendwelchen Kulissen geführt werden, die Überlegungen nur von Druidenohr zu Druidenohr wandern oder sowas.
Ich möchte noch einen Gesichtspunkt hinzufügen, die materielle Seite von Barcamps. Es ist in meinen Augen gut, ja wichtig, daß Events wie das BibCamp keine Teilnahmegebühr erheben. (Späte Disclosure am Rande: Die Frage, ob es sogar "Fahrtkosten-Stipendien" für mittellose BibCamp-Teilnehmende geben solle, löste den großen Clash im Vorbereitungsteam des 3. BibCamps, bei uns in Hannover, aus. Ich glaube es war letztlich nur ein gesuchter Anlaß, aber zwei Mitglieder verließen das Team unter der offiziellen Begründung, daß sie es zu abwegig gefunden hätten, so etwas auch nur vorzuschlagen oder zu diskutieren...)
Kostenlose (Grund-)Verpflegung bei kostenloser Teilnahme ist wohl nur mit Sponsoring denkbar. Und deswegen dürfen wir uns als Barcamp-Organisatoren auch keine Berührungsängste mit Sponsoren leisten.
Perfekt ist es, gegenüber Sponsoren offenbar so einladend zu sein wie das Kölner BibCamp, aber trotzdem nicht völlig wahllos. Deshalb, ohne selbst teilgenommen zu haben (ich war ja leider krank und nahm dann nur virtuell per Stream, Etherpad und Twitter teil), beglückwünsche ich euch zu dem im Ergebnis sehr gelungenen Umgang mit den Sponsoren!
Über den BIB würde ich mir nicht allzu viele Sorgen machen -- den EntscheiderInnen wird schon noch auffallen, daß das BibCamp jedes mal von anderen KollegInnen organisiert wird, und für die Zukunft unseres Berufsstandes viel zu wichtig ist, um es mit einem solchen pauschalen Bann zu belegen.
Ich würde Sponsoren aus der Branche immer nahelegen, auf das traditionelle Format des Standes freiwillig zu verzichten und statt dessen eigene interessierte Mitarbeiter am BibCamp teilnehmen zu lassen. Der mittelbare Gewinn für den Sponsor ist auf diese Weise viel größer. Das versteht man allerdings besser, wenn man schon an Barcamps teilgenommen hat, oder zumindest verstanden hat, wozu informelle Vernetzung/Austausch gut sind.
Mein Fazit: BibCamp-OrganisatorInnen können und sollten immer noch was dazulernen, BibCamp-SponsorInnen aber natürlich auch. ;-)

Martin de la Iglesia hat gesagt…

Hallo Lambert, zwei Einwände:

1) Wenn eine Veranstaltung von der ZB MED, der StB Köln, dem hbz, der gwfm und dem MPIfG organisiert wird: Ist man dann tatsächlich auf Sponsoren angewiesen, um Verpflegung bereitzustellen?

2) Wenn Firmen ihre Mitarbeiter/-innen aufs BibCamp schicken, warum sollten sie dann noch Geld spenden?

Tom Becker hat gesagt…

Liebe Community

ich mache erst einmal ein Kurzstatement, mehr aus persönlicher BIB-Sicht denn als Sprachrohr des Bundesvorstands:

1. Finde ich es gut, dass wir diskutieren, und werde das auch im FaceBook-Auftritts des BIB entsprechend posten

2. Ist es tatsächlich zumindest bei MIR in der Diskussion so angekommen, das der BIB als sehr kommerziell angekommen war, da er prioritär an einem Stand über sich aufmerksam machen wollte, und nicht (wie es (zurecht) auch von mir angemerkt worden ist, im Session-Angebot.

3. Ist der gefundene Kompromiss ein recht guter - der LV NRW und der Bundesverband haben 500 Euro für 5 Plätze gespendet, die sie quasi verlosen durften. Planungsmäßig ist das durch die lange Diskussion im Vorfeld etwas bloed gelaufen - es wurden letztendlich davon nur zwei Plätze ausgelobt.

4. War für mich die Art und Weise der Diskussion einfach aetzend - nachdem mit ach und krach die lenk-bar aufgestellt werden durfte (was mir persönlich ein hohes Anliegen war, weil ich das super passend zu einem BarCamp finde) und die TwitterWall auch von denen als SmartBoard-Lösung gestellt wurde (ästhetisch echt passend und eine Bereicherung!), ging die Diskussion um den BIB los. Wenn sich denn ein Berufsverband, der nicht-kommerziell ist und für seine Mitglieder Aktionen aufbereitet, um den Berufsstand in Gänze besser zu positionieren, zahlt, wird er / werden wir wohl auch präsent sein dürfen. Und wenn nicht - dann muss er auch nicht zahlen müssen.

5. Die KnowledgeManager, die ja auch campen, haben da ein wesentlich ungezwungeneres Verhältnis zu Geld - und JA - wir brauchten ein Budget von rund 7.000 Euro, sonst hätten wir bei weitem nicht den Service anbieten können, den es gab (und der Kaffee wurde noch nicht mal gecatert, sondern selbst gekocht - das ging auch nur dank der zahlreichen stud. TeilnehmerInnen).


... Fortsetzung folgt - immer diese Zeichenbegrenzung.....

Tom Becker hat gesagt…

.... Fortsetzung.....


6. Die Argumentationsstrukturen kamen bei mir super ideologisiert an: Adrian als 'Sprachrohr' der BibCampGründer, (Achtung - Polemik *g*), der quasi gaaaanz viel heilige Gebote des BarBiBCampens vertritt - und eben nicht - ganz anders wie die KnowledgeManagern, mit denen ich zu Anfang einen viel intensiveren Kontakt hatte, eher leger-innovativ-unverkrampft an das Dealen mit potentiellen Spendern und Sponsoren rangegangen sind. Es gab immer - für mich als New-Camper - den sehr opaken Geist des BIBcamps, der schon ein Zusammenkommen mit den KnoweldgeManageren skeptisch und grenzwertig betrachtet und der in meinen Augen etwas sehr konservatives hat: lasst es bitte immer gleich-gemütlich-sein. Das erinnert mich an die Diskussionen um die alten, achso putzig-gemütlichen Kleinstadt-Bibliothekartage vor 10 Jahren......

8. BarCamps sind und sollen m.E. nicht statisch sein, sondern bunt, und man soll vieles anderes ausprobieren dürfen, und dann im nachhinein bewerten, ob es taugt oder nicht. Das gilt m.E. auch für Stände - und letztendlich (ich habe mich dann bei der Abstimmung enthalten) fand und finde ich die englische Bibliothekarin, der wir auch noch 150€ gezahlt haben, ganz 'nett' aber nicht wirklich notwendig - die durfte sich ja dann sofort mit ihrem Stand positionieren.

9. Und um den letzten Punkt geht es mir - das Offen sein in mehrere Richtungen. Die englische Bibliothekarin hat ja (versuch), ironisierend das Berufsbild zu präsentieren - als Kunstprojekt ist das in Ordnung, hat auch nicht geschadet. In der Diskussion kamen MIR viele Argumente, die im Namen diverser BibCamp Omas und Opas in die Runde geworfen wurden, als künstlerisch wertvoll, aber ansonsten recht konservativ-beharrend vor.... Und s wurde zumindest in meinen Augen recht spontan mit unterschiedlichem Maß gemessen - was ein Stand ist, was Kommerz ist, und was nicht.

10. Fazit
Der BIB hat sich in seiner Vorstandssitzung dafür ausgesprochen, die Ergebnisse der (von mir moderierten) Sitzung zu BarCampElementen auf dem BIBtag (http://make.tv/bibcamp2012/show/107786 ) wo möglich in bestehende aber auch neue Programmformate zu integrieren - es war also fachlich ein großer Gewinn - und ja: ein Stand wäre nutzlos gewesen......
Der BIB hat sich dafür ausgesprochen, auch am nächsten BIBCamp teilnehmend (wir werden die Vorstandssitzung so möglich an dem WE in Erlangen stattfinden lassen) aber auch unterstützend (wieder über allerdings besser geplante Reisekostenunterstützung mit Platzzusicherung) zu partizipieren.

Ansonsten stimme ich - wie so oft - Lambert zu: BibCamp-OrganisatorInnen können und sollten immer noch was dazulernen, BibCamp-SponsorInnen aber natürlich auch. ;-)
Und - für die zukünftigen OrganisatorInnen: Sponsoring heisst: Gegenleistungen sind willkommen *g*


Auf weitere spannende Kommentare......

der Tom

Optimisc hat gesagt…

Als jemand, der auch schon mal eine Tagung organisiert hat, weiß ich, dass Sponsoren zur Finanzierung notwendig sind. Man kann ihnen bei einer Tagung o.ä. aus dem Weg gehen, selbst wenn sie einen Stand bei der Veranstaltung anbieten. Ohne Sponsoren gibt es keinen Kaffee und kein Essen, oder keinen kostenlosen Eintritt.

Ich verstehe allerdings nicht so ganz, warum gerade die revolutionärste Form der Tagung, die im Bibliothekswesen gerade existent ist, sich mit solch konservativen Diskussionen herumschlägt. Das Thema Sponsoren ist ja anscheinend nicht der einzige Änderungsvorschlag, der gerade bei den Immer-dabei-gewesenen zu starker Ablehnung in der Form "Das haben wir doch noch nie so gemacht" und "das zerstört den Charakter" geführt hat. Hallo? Der Charakter einer revolutionären Tagungsform ist das revolutionäre. Ohne Veränderung, Verformung, Ausprobieren geht das kaputt.

Das Bibcamp in Köln war toll, auch weil es anders war.

Adrian Pohl hat gesagt…

@Optimistic Zunächst mal ist es nicht richtig, dass Sponsoren zur Finanzierung einer Konferenz notwendig sind. Die SWIB beispielsweise wird dieses Jahr zum vierten Mal ohne jede Sponsorengelder veranstaltet, allein finanziert durch die Organisatoren ZBW und hbz und die Teilnahmegebühren. (Bei der ersten SWIB gab es nicht einmal Teilnahmegebühren aber dafür ein sehr leckeres Essen.) Für das diesjährige BibCamp wäre eine Finanzierung durch die Mitorganisatoren - wie Martin ganz richtig sagt - durchaus realistisch gewesen. Und von "revolutionär" würde ich im Zusammenhang mit BarCamps auch nicht sprechen, auch wenn heutzutage alles und jede revolutionär ist. "Innovativ" passt da schon besser.

Ich möchte hier auch nochmal klarstellen, dass ich mich nicht gegen Sponsoren im allgemeinen ausspreche, sondern nur gegen deren allzu große Präsenz auf dem BibCamp. Mit dem diesjährigen Ergebnis - Erwähnung auf der Webseite und dem Plakat etc. - bin ich durchaus zufrieden. Und ich frage mich und euch: Wieso Sponsoren einen Standaufbau anbieten, wenn genug Unternehmen bereit sind auch für einme geringe Gegenleistung das BibCamp zu unterstützen? Es ist doch schön, dass es Leute gibt, die diese Veranstaltung fördern, ohne dass der eigene Vorteil dabei im Vordergrund steht.

@Tom Becker @Optimistic Ich stimme mit euch in der Prämisse überein, dass das BibCamp "leger-innovativ-unverkrampft", "nicht statisch" und offen in viele Richtungen sein sollte, dass "Veränderung" und "Ausprobieren" wichtige Eigenschaften dieser Veranstaltung gibt. Vor allem war das BibCamp bisher oft innovativ und sollte es am besten auch weiterhin sein. Allerdings muss ich offensichtlich mal etwas zur Bedeutung des Wortes "Innovation" klarstellen: Nicht jede Veränderung ist innovativ. Wenn jetzt jemand beispielsweiseein Programmkommittee auf dem BibCamp einführen wollte, das Themen und Sessionmoderatoren auswählt, würde das auch niemand als "innovativ" bezeichnen oder als eine wünschenswerte Veränderung, die die Offenheit des Konzepts BibCamp zum Ausdruck bringt. Ganz im Gegenteil.

Tom, du hast schon während der Planung behauptet der Widerstand gegen Stände sei ein Zeichen von Konservatismus. Diese Argumentation wird für mich auch durch merhmalige Wiederholung nicht plausibel. Deshalb bitte ich euch: Erklärt mir, was an Sponsorenständen innovativ sein soll, wo es diese doch seit Jahrzehnten auf jedem Bibliothekartag gibt. M.E. wird andersherum ein Schuh draus: Die Zurückhaltung der Sponsoren war für mich eben ein Aspekt, in dem das BibCamp ein Zeichen gesetzt hat gegen bestehende Praktiken. Und eben deshalb war und ist es mir persönlich auch wichtig, dies zu bewahren anstatt das BibCamp immer weiter an den Mainstream anzupassen.

Anonym hat gesagt…

Ich war zwar nicht am BibCamp, möchte mich aber dennoch zu der Frage äußern, wie mit dem BIB als Sponsor umgegangen werden kann. Seit 30 Jahren bin ich nun schon im Bibliothekswesen, vielleicht auch schon zu konservativ, zu verkrustet. Hinzu kommt, dass ich fast so lange schon Mitglied im BIB bin. Nicht aktiv aber dennoch aus Überzeugung, weil ich meine, dass wir eine Interessenvertretung brauchen. Wenn da also vom BIB 500 Euro gesponsert werden, dann ist da mit über 15% auch mein Jahresbeitrag drin - um mal eine blöde aber plakative Rechnung aufzustellen. Entsprechend verwundert bin ich, wenn der BIB als kommerziell empfunden wird und ihm das Betreiben eines Stands verwehrt wird. Die Leute, die sich im BIB engagieren, tun dies ehrenamtlich, und der BIB-Stand bietet eine Menge Informationen und Zeugs, die für TeilnehmerInnen am BibCamp und am Bibliothekstag (oder wie das jetzt auch immer heißen soll) ganz sicher gleichermaßen interessant sind. Egal ob das BibCamp nun innovativ ist oder revolutionär, mir erscheint es einfach nur als dogmatisch, dass der BIB dort keinen Stand haben durfte.

Tom Becker hat gesagt…

Lieber Adrain, liebe LeserInnen

nicht jede Veränderung ist innovativ - das ist sicher, und - ob ein BIB Infostand wirklich sinnvoll gewesen wäre, bezweifle ich bei dem Veranstaltungsformat ohnehin. Generell - und (auch) da sind wir (@Adrian) uns sicher einig, ist es nicht Ziel, eine Messe aus dem BIBcamp zu veranstalten.

Es geht mir generell um den Umgang mit Sponsoren oder Spender - und trotz der recht hohen Finanzierungsbeiträge der Knowledgemanager, des Fördervereins der Hochschule und der Fachschaft haben Firmen- und Vereinsspenden (Sach- und Finanzmittel) 5/8teln mindestens finanziert. Klar - das BIBcamp hätte auch ohne diese Gelder auskommen können - dann aber auch ohne Suppe, Abendessen, Freibier, Lasagne und Rahmenprogramm inkl. der Bibliotheksbritin. Hier kollidieren meines Erachtens die Ansprüche der TeilnehmerInnen (s. Feedbackbögen der letzten Jahre) mit den utopisch-sozialromantischen Äusserungen einiger Posts.

Aber darum geht es mir nur zweitrangig - in erster Linie geht es mir um den Unterschied eines Berufsverbandes, der z.B. mit viel Engagement die tariflichen Interessen ALLER BID-Bediensteten vertritt, der daran interessiert ist, über eine breite Präsenz mit den recht diversen Strömungen und Gruppierungen in unserem (manchmal recht sektiererisch anmutenden) Informationswesen Kontakt zu halten, um seine originäre Aufgabe - eine pluralistische Interessenvertretung unter möglichst einem grossen Nenner nach Aussen zu professionalisieren) zu originär kommerziellen Anbietern (wobei ich auch bei letzteren flexibler Agieren würde - die LenkBar war auf einem BarCamp einfach super - und wenn sich Sponsoren einfach passende Formate ausdenken - warum nicht?).

Wenn sich der Berufsverband wie auch immer präsentieren will - warum nicht? Er ist nicht kommerziell - und - das hat Adrian in seinen Argumenten (ich hoffe, das freie Zitat stimmt!) auch immer wieder betont - die BesucherInnen werden Stände mit mündiger Ignoranz begegnen - das heisst wie werden / würden diese ignorieren. Dann ist doch - und das hat mich so gewundert - ohnehin egal: lasst den Teilnehmenden und den Sponsoren doch diese Mündigkeit, lasst die Sponsoren doch - mit dem Hinweis, das Stände suboptimal zum Selbstmarketing auf Barcamps sind - sich aufstellen, und die TN entscheiden, ob sie die Gesprächsangebote wahrnehmen.

Diese Müdigkeit kam mir zu kurz - es wurde unter dem (der ExExKanzler hat das immer so schön gesagt) "Mantel der Geschichte" ein mysteriöser Geist des BIBcamps quasi beschworen (womit wir wieder beim sektiererischen wären), den es zu erhalten gälte...

Aber ich wiederhole mich (wobei Redundanz nach Nonaka und Takeuchi für uns Wissensmanager was sehr positiv besetztes ist, aber ich glaube, beim Polemisieren gilt ein anderer Referenzrahmen).

Schade, dass ich die geplante Session zum 'Mysteriösen Geist des BIBcamps" (die ich mir überlegt hatte) am Samstag doch nicht angeboten habe - mir waren die KM-Themen wichtiger - die sind am Freitag so kurz gekommen....

Aber - lasst uns sie hier führen, ich möchte einfach mehr Positionen lesen und wissen. Schliesslich werde ich sicher das Bibcamp wieder besuchen, und - in meiner Funktion im BIB Bundesvorstand aber auch in meiner Lehrtätigkeit - das Format Unkonferenz in seiner Vielseitigkeit experimentell nutzen, modifizieren und durch viele Fehler für mich zu optimieren suchen.....

Um es mit der BIBcamp-Oma Anne zu sagen (ich hoffe, ich zitiere sie richtig): wir brauchen mehr offenen Dissenz in unserer Szene. Dafür - @ Adrian: danke. Und: du hast nen Bier bei mir gut *g*

Tom

Optimisc hat gesagt…

Spannende Diskussion hier ... ;-)

@Adrian "revolutionär oder innovativ": Du hast recht, das Bibcamp war mal revolutionär und sollte jetzt innovativ sein.

und "Erklärt mir, was an Sponsorenständen innovativ sein soll, wo es diese doch seit Jahrzehnten auf jedem Bibliothekartag gibt.": Sponsorenstände sind nicht innovativ. Sie sind (auch) notwendig, um Innovationen zu bezahlen. Oder, um einfach eine angenehme Atmosphäre zu erzeugen, in der sich innovativ tagen lässt. Ich drehe die Frage um: Erkläre mir, was Dich an Sponsorenständen stört - Du kannst daran vorbei laufen ;-)

Adrian Pohl hat gesagt…

@Optimistic Was stört mich an Sponsorenständen? Sicher würden zwei bis drei Stände mich eigentlich überhaupt nicht stören aber irgendwo wird ja der Anfang gemacht und im nächsten Jahr können es schon mehr Stände sein. Die Messeatmosphäre auf einem Bibliothekartag hat mich persönlich immer eher abgeschreckt, weshalb mir eben das BibCamp so gefallen hat und ich für den Erhalt dieses Aspekts kämpfe. Ich möchte eben lieber mit Leuten reden, die ähnliche Probleme haben wie ich und nach gemeinsamen Lösungen suchen und nicht ständig in die Augen von jemanden schauen, der mein Potential als Kunde abschätzt. Wenn ich was kaufen/lizenzieren will, dann weiß ich schon, wo ich mich umschauen und wo ich nachfragen muss.

Ich bin in dieser Frage verhältnismäßig strikt, weil ich einfach nicht dazu beitragen wollte und will, dass die Gänge auf dem BibCamp mittel- bis langfristig genauso mit Ständen zugepflastert sind wie auf einem Bibtag. Ich habe mich dagegen gewehrt, einen Präzedenzfall zu schaffen, der Organisatoren späterer BibCamps auf den Gedanken bringen könnte: "Stände gab es ja eh auch auf dem letzten Camp, dann lass uns doch einfach jedem Sponsor einen Standaufbau anbieten..."

Martin de la Iglesia hat gesagt…

@Tom Becker: Auch ohne Suppe, Abendessen, Freibier, Lasagne und Rahmenprogramm wäre ich zum BibCamp gekommen. Wie Adrian schon sagte: Künftige BibCamps müssen einen solchen Standard nicht erreichen oder gar übertreffen. Wenn es nur Schmalzstullen zu essen gegeben hätte und man dafür auf Sponsoren hätte verzichten können, hätte ich das sogar besser gefunden.
(Naja, vielleicht nicht konkret Schmalzstullen, aber deren vegetarisches Äquivalent.)

jakob hat gesagt…

Aus meiner Sicht sind auf dem Bibcamp Stände
aus folgendem Grund unangebracht und Sponsoring sollte auf ein Minimum reduziert werden: Es geht bei einem Barcamp nicht um Organisationen und Institutionen, sondern um Ideen und Menschen. Nach meiner Erfahrung müssen die Teilnehmer sich auch oft auch erstmal an die offene Struktur gewöhnen und sich so weit es geht vom Gruppendenken lösen. Deshalb ist das Argument falsch, man könne Stände ja einfach ignorieren. Ein Stand ist ein Stück Abgrenzung einer Gruppe gegenüber dem Rest der Teilnehmer. Es soll aber gerade versucht werden, alle Teilnehmer als Gleiche zusammenzubringen. Aus diesem Grund sind BibCamps auch nur bis zu eine gewissen Größe möglich und die Organisation sollte wechseln, damit sich alle kennenlernen können und um dem Entstehen von Eliten vorzubeugen. Als Alternative zu Ständen könnte ich mir übrigens Flyer und Poster vorstellen.

Tom Becker hat gesagt…

@ Jakob: ein Tisch entmündigt mich soweit, dass ich nicht mehr in der Lage bin, mit einem Gegenüber in einen offenen Austausch zu treten?

Mein Menschenverständnis ist anders.

Ob BibCamps nur bis zu einer gewissen Größe möglich sind, ist fraglich - das BIBmeetsKnowledgeCamp ging auch mit über 200 TN recht gut, andere Barcamps sind größer und anders organisiert.

Die Fragestellung ist glaube ich weniger, was geht oder was möglich ist, sondern was ein BIBcamp ausprobieren DARF, und wer das entscheidet - sprich - gibt es für DAS BIBcamp eine Art ungeschrieben 'Markenschutz', und wer ist / sind die Rechteinhaber (moralisch merkt man das ja recht gut, zumindest wer das sein moechte).

Das ist auch in gewisser Hinsicht legitim - immerhin wurde die Methode Unkonferenz / Barcamp ja von den BIBcamplerInnen in die BI-Szene hereingetragen.

Die Frage ist lediglich, ob es erlaubt ist (und wer die Grenzen setzt), das BIBcamp (und ich rede nicht von andern Unkonferenzen, die sich hoffentlich im BI-Bereich entwickeln werden) weiter zu entwickeln, ggf dabei aber auch mal - hätte ja durchaus in Köln bei der Kooperation passieren können - zu scheitern, oder Fehler zu machen.

Und das wär doch super - da lernt man doch so verdammt viel draus - durch Risiko und Experimentierfreude und Grenzen verschieben.

Und dafür eignet sich das Format so gut und auch die Offenheit der TN - und diese Offenheit, dieses Mut zu noch viel mehr Experiment wünsche ich dem BIBcamp - ich adaptiere das Format für mich in Lehre und Praxis, aber nicht 1:1.... und freu mich da drauf und auf die Diskussionen hier....

PatrickD hat gesagt…

Hallo als einer der hier zitierten "BibCampGründer" möchte ich nochmals begründen warum ich Adrian von Ständen im Allgemeinen abgeraten habe.
1) Beim Bibcamp gibt nur Teilnehmer, wenn es Stände geben würde gäbe es auch noch Aussteller die eine andere Rolle hätten.
2) Es könnte für alle Aussteller auch deprimiert sein wenn ihre Stände links liegen gelassen werden weil eh immer zu wenig Zeit um sich untereinander zu unterhalten. Ansage wie “Liebe Teilnehmer besucht doch bitte auch unsere Sponsoren” würde ich bei einem Bibcamp als unangebracht erachten.

Meiner Meinung hätte sich der BIB mit einem Stand selber keinen Gefallen getan. Ich halte also aus rein praktischen Gründen beim Bibcamp Stände für eine ungeeignete Marketingform dies hat aber nichts dogmatisches.

Im vorigen Beitrag wird mir und einigen anderen unterstellt wir wurden Anspruch auf einen ungeschriebenen Markenschutz erheben. Diesem muss ich aber widersprechen. Die Orgateams wurden immer ermuntert neue Dinge auszuprobieren. Wenn jemand ein weiteres Bibcamp im Jahr organisieren möchte erhält er 100% Support und kann (wenn er dies möchte) auf bestehende Erfahrungen zurückreifen. Es wird aber niemand jemand sagen wenn sich gegen den einen oder anderen Rat entschieden wird.

Den einzigen Anspruch den ich erhebe ist nach 5 Bibcamps einschätzen zu können was dieser Form der Veranstaltung förderlich ist und was eher nicht funktionieren wird (wozu meiner Meinung nach Stände in der Regel gehören werden)

Zu guter letzt: Adrian war nie Sprachrohr, sondern er war der einzige der (zumindest mich) gefragt hat, jedem anderen (auch dem BIB) hätte dieser Weg offen gestanden.

sally86 hat gesagt…

Ich kann dem Beitrag von anonym vom 22. März nur zustimmen. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, warum ein Stand eines nicht-kommerziellen Berufsverband einen zu werbenden Charakter haben soll. Meines Erachtens kann der durchschnittliche Bibcamp Besucher an solchem Stand durchaus für sich interessante und informative Dinge (z.B. über Fortbildungen, Auslandspraktika, Studienreisen) entdecken. Ein Firmenstand ist dort eher fehl am Platz, da der Großteil der Bibcamp Besucher nicht Entscheidungsträger der jeweiligen Bibliothek ist und bestimmen könnte, welche Regale angeschafft werden. Ein Cocktailstand wäre generell sicherlich auch durch teilnehmende Studenten eines bibliotheks- und informationswissenschaftlichen Studiengangs (durften diese denn Stände haben?) realisierbar gewesen.

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