2016-02-23

Werbung & Lobbying mit Open Educational Resources

Bei der Recherche für einen anderen Blogpost bin ich auf das Whitepaper “Unternehmensfinanzierte Open Educational Resources (OER) an Schulen” gestoßen, das vor kurzem von YAEZ – einer auf “Corporate Publishing für junge Zielgruppen” spezialisierten Agentur – publiziert wurde. YAEZ hat beispielsweise in der Vergangenheit – kostenlose aber (noch) nicht offen lizenzierte – Unterrichtsmaterialien zum Thema “Vernetzte Mobilität – Die digitale Revolution auf Rädern” erstellt, bezahlt von der Initiative “Unsere Autos” des Verbands der Automobilindustrie (VDA). [1]

Das Whitepaper wird auf den YAEZ-Seiten auch unter dem Titel “Erfolgsfaktoren für OER in der Bildungskommunikation” beworben. Hier einige der im Whitepaper genannten Vorteile für Unternehmen, die eine Publikation von OER brächten: “Image verbessern”, “Bekanntheit steigern”, “Inhalte beeinflussen”, “positives Bild vermitteln”, “Kunden gewinnen”, “Gewinn steigern”, “Gewinnung von qualifizierten und geeigneten Auszubildenden”.

Seit langem schon betrachten Unternehmen die Schulen als wichtiges Ziel von Lobbying und Werbung, und das Angebot und die Nutzung durch Unternehmen bereitgestellter Unterrichtsmaterialien nimmt stetig zu, wie etwa gerade ein Beitrag in der letzten Heute Show aufzeigt (siehe auch die dazugehörige “Fakten”-Seite mit weiterführenden Links). Von Unternehmen finanzierte offen lizenzierte Unterrichtsmaterialien sind allerdings bisher noch selten. Wenn die Zahl der Unternehmens-OER aber so rapide wächst wie jene der nicht-offenen (aber kostenlosen) Unterrichtsmaterialien, dann werden die bisher hauptsächlich durch Lernende, Lehrende und öffentliche Bildungseinrichtugen erstellten und gepflegten Open Educational Resources bald Konkurrenz bekommen.

[1] Angeblich platziert YAEZ seine Produkte auch auf lehrer-online, ich habe allerdings auf Anhieb die VDA-Materialien oder andere von YAEZ genannte Beispielmaterialien dort nicht finden können.

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