2015-09-29

Bibliotheksbärendienst

Gestern wollte ich auf einen Artikel im Bibliotheksdienst aus dem Jahr 2009 verlinken. Leider hat der alte Link auf den Einzelartikel bei der ZLB nicht mehr funktioniert und tut dies wohl schon länger nicht mehr. Die Wayback Machine hat ihn das letzte Mal im August 2013 archiviert. Bei de Gruyter, das den Bibliotheksdienst mittlerweile betreibt, werden 30 Euro für den Artikel verlangt. Mir wird schlecht, wenn ich das sehe, vor allem, weil ich damals vor Veröffentlichung des Artikels sichergestellt habe, dass ich den Preprint zeitgleich unter einer CC-BY-Lizenz veröffentlichen kann (siehe dazu den ersten Übertext-Blogpost von 2009).

Ich hatte von der Diskussion anlässlich des Wechsels von Bibliotheksdienst zu de Gruyter in Erinnerung, dass es ein 12-monatiges Embargo für Bibliotheksdienst-Artikel geben würde, nach dessen Ablauf sie frei im Internet verfügbar sind. Dem widerspricht, dass fast 50 Jahre alte Beiträge bei de Gruyter nur gegen Geld erreichbar sind.

Nachdem ich auf Twitter nachgefragt hatte, hat Jörg Prante mich darauf hingewiesen, dass die Jahrgänge 1996-2012 ja weiterhin bei der ZLB online zugreifbar sind. Leider sind in der Tat nur ganze Jahrgänge oder einzelne Hefte sowie einzelne Seiten verlink- und downloadbar (siehe hier), der direkte Zugriff auf einen einzelnen Artikel ist gar nicht mehr möglich.

Mein Fazit zum Angebot der Biblbiotheksdienst-Inhalte.

  1. alte ZLB-Artikel-URLs zu Artikeln von funktionieren nicht und sind nur noch via Wayback Machine aufrufbar
  2. stattdessen bietet die ZLB gar keine URLs oder gar DOIs für einzelne Artikel mehr an, man kann nur noch einen ganzen Jahrgang oder ein gesamtes Heft verlinken und runterladen, was eine vernünftige Zitierweise unmöglich macht.
  3. De Gruyter hingegen hat DOIs für die einzelnen Artikel von 1967 bis 2015 und nimmt 30 Euro pro Artikel.
  4. Das bedeutet, dass ein Online-Zugriff auf die BD-Artikel von 1967 bis 1995 auschließlich gegen Geld möglich ist.

Nachdem die Online-Version meines Artikels (damals nach einem dreimonatigen Embargo) veröffentlicht war, hatte ich auch die Verlagsversion parallel veröffentlicht. Zum Glück wir diese bei einer Google-Suche nach dem Artikeltitel auch am höchsten gerankt. Nichtsdestotrotz soll auch die De-Gruyter-Fassung frei zugänglich sein, und ich werde De Gruyter dazu mit Verweis auf diesen Blogpost auffordern.

Im übrigen gebe ich Klaus Graf echt, wenn er schreibt:

Es ist doch ein Skandal, dass die älteren Ausgaben , die in der ZLB Open Access waren, bei De Gruyter nun GELD kosten! Wieso thematisiert niemand diese Ungeheuerlichkeit? Was ist das für eine erbärmliche verrottete Zunft, die zum Aufdecken von Misständen einen Außenseiter wie mich braucht?

Ich hatte das Ganze einfach bisher nicht mitbekommen und leiste (“Besser spät als nie.”) jetzt einen kleinen Beitrag dazu, dieser Praxis von De Gruyter ein Ende zu setzen. (Ausdrücklich rege ich mich hier NICHT über Klaus Grafs Ton auf. Der Mann hat einfach meistens recht, wenn es um Bibliotheken und Open Access geht und das ewige Auf-die-Netiquette-Verweisen lenkt nur von der nötigen Auseinandersetzung ab.)

Einen Beitrag von mir im Bibliotheksdienst wird es in Zukunft übrigens nicht mehr geben. Ich rufe auch alle anderen dazu auf, lieber in Open-Access-Alternativen wie Informationspraxis oder Libreas oder auch einfach in einem Blog zu veröffentlichen.

Kommentare:

Burkard Rosenberger hat gesagt…

Warum verwenden Sie nicht einfach folgenden URL, der direkt auf Ihren Aufsatz verweist: http://digital.zlb.de/viewer/image/019591853_2009/274/
Das ist zwar kein DOI oder PURL, aber dennoch zitierbar, insbesondere weil Jahrgang und Seite sofort im URL erkennbar sind.

Adrian Pohl hat gesagt…

@Burkard Rosenberger:
Danke für Ihre Frage. Ich möchte zunächst mit einer Gegenfrage antworten: Würden Sie einen solchen URL in einem Literaturverzeichnis benutzen? Oder würden Sie stattdessen lieber den DOI von der De-Gruyter-Seite angeben?

Es gibt mehrere Gründe, warum ich mich mit dieser Lösung nicht zufrieden gebe:

1. Wie Sie bereits richtig festgestellt haben, verweist der URL eben nur auf die erste Seite des Aufsatzes (die zweiten ist unter einem anderen URL zu finden) und ist kein URL für den Gesamtaufsatzes (der etwa so aussehen könnte: "http://digital.zlb.de/viewer/image/019591853_2009/274-290.pdf"), was eben bei einer Referenz auf diesen geboten wäre und auch lange möglich war. Sobald man eine einzelne Seite zitiert, mag so ein Link ok sein, will ich aber auf den ganzen Aufsatz verlinken, ist das schlicht keine Lösung. (Ich habe viele Jahre im Linked-Data-Bereich gearbeitet, wo man – häufig aus guten Gründen – pedantisch ist, was die Lokalisierungs- und Identifizierungfunktionen eines URI angeht.)
2. Dieser Link ist an einen Dokumentviewer im Browser gebunden. Ich benutze solche Viewer ungern. Am allerbesten sind natürlich HTML-Seiten, die etwa auch auf dem Mobiltelefon funktionieren, aber eine nachträgliche Publikation der Artikel als HTML wäre in diesem Fall zu aufwändig. Somit fände ich die Möglichkeit ein PDF anzuschauen und herunterzuladen angemessen, vor allem, weil dies lange Zeit der Standard für BD-Artikel bei der ZLB war.
3. Darüber hinaus bin ich nach den gemachten Erfahrungen skeptisch, ob dieser Link in fünf Jahren noch funktionieren wird.

Im Übrigen ist das eingeschränkte Angebot der ZLB hier nur ein Nebenaspekt. Das größere Problem sehe ich darin, dass Artikel, die lange Jahre ausschließlich als Gratis-Open-Access verfügbar waren, nun auch und besser adressierbar gegen Geld angeboten werden. Unter diesen Bedingungen haben die Autorinnen und Autoren ihre Artikel damals nicht eingereicht. Viele hätten sich sogar gegen eine Publikation im Bibliotheksdienst entschieden, wenn bei den Veröffentlichungsbedingungen gestanden hätte: "Wir behalten uns vor, die nicht-exklusiven Verbreitungs- und Verwertungsrechte an einen kommerziellen Verlag weiterzugeben, der Ihren Artikel gegen einen Preis von 30 Euro anbietet." Ich hätte mir auf jeden Fall einen anderen Publikationsort gesucht und viele Rückmeldungen zu diesem Artikel zeigen, dass es einigen anderen Bibliotheksdienst-Autor/innen auch so geht...

Viele Grüße
Adrian Pohl

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