Eine Aufgabe im zweiten Semester meines MALIS-Studiengangs ist, eine beliebige Webseite zu katalogisieren, indem der Inhalt der fünfzehn simplen Dublin-Core-Elements angegeben wird. Freundlicherweise war meine Arbeitsgruppe (mein Dank geht an Irene, Katrin und Tobi) damit einverstanden, mein Blog als Versuchsobjekt zu nehmen. Mein Kollege und Freund Felix Ostrowski (foaf-Anreicherung folgt ;-) hat mich schließlich tatkräftig dabei unterstützt, das Blog anzureichern.
Auf der Basis der Katalogisierungs-Ergebnisse ist nun das Blogger-Template, aus dem die Seiten des Blogs (die Überseite http://www.uebertext.org/ sowie die Seiten der einzelnen Beiträge, z.B. http://www.uebertext.org/2009/09/pladoyer-fur-ein-twitter-recherche.html) generiert werden, mit den Dublin-Core-Elements in RDFa angereichert. Darüber hinaus habe ich noch die DC-Terms-Refinements "is part of" und "license" ergänzt.
Mit dem RDFa-Distiller des W3C lässt sich das im XHTML-Text verstreute RDFa in ein RDF/XML-Dokument destillieren und die Ergebnisse sehen schon ziemlich gut aus.
Gerne lade ich das Blogger-Template irgendwo hoch, vielleicht in einem Wiki. Hat jemand einen Vorschlag, welches der geeignetste Ort ist?
Warum Blog-Vorlagen nicht an der Basis anreichern?
So sinnvoll die Aufgabe, eine Webseite zu katalogisieren sein mag, um Vertrautheit mit den Dublin-Core-Elementen zu fördern - es ist klar, dass heutzutage nicht Bibliothekare hingehen werden, um das Web zu katalogisieren. Diese Unterfangen wäre auch gänzlich unsinnig, weil die meisten Metadaten, auf die sich die Dublin-Core-Elemente beziehen, bereits in strukturierter Form vorliegen und nur noch entsprechend markiert werden müssen.
Es wäre also sehr wünschenswert, wenn Blogging-Plattformen wie Blogger, WordPress, Twoday, Blogsport usw. das xHTML-Markup ihrer Vorlagen standardmäßig mit Dublin-Core-Attributen anreichern würden. Dies würde dem Netz ohne großen Aufwand eine große Menge maschinenlesbarer Metadaten einbringen. Eine Twitter-Anfrage an Dublin Core, ob es bereits Bestrebungen in diese Richtung gibt, blieb leider unbeantwortet.
2009-10-23
2009-09-17
Plädoyer für ein Twitter-Recherche-Hashtag
Beim Missverstehen der Twitter-Anwendung WeFollow ist mir gestern eine Idee gekommen: Wieso nicht ein Twitter-Hashtag etablieren, das Recherchierende ihrem Tweet hinzufügen, wenn dieser eine Auskunftsanfrage beinhaltet? Auskunftsbibliothekare oder andere, die gerne bei Recherchen weiterhelfen, können sich dieses Hashtag abonnieren und die Anfragen mit hilfreichen Links auf Bibliographien, Kataloge oder andere Informationsquellen beantworten.
Das Ganze wäre sozusagen eine auf Rechercheanfragen spezialisierte Form von Diensten wie AskOnTwitter. Allerdings ist eine spezielle Anwendung für einen solchen Dienst nicht einmal nötig, wenn das ganze über ein Hashtag läuft.
Ist nur noch die Frage, welches Hashtag wir dafür benutzen sollten. Es sollte nicht zu lang sein aber auch noch nicht haufenweise vorkommen, damit man es mit der neuen Funktion besetzen kann. Wie wäre es denn mit #theke? Oder lieber was auf Englisch? #enquiry? #inquiry? #infodesk?
Ich habe direkt mal begonnen...
Das Ganze wäre sozusagen eine auf Rechercheanfragen spezialisierte Form von Diensten wie AskOnTwitter. Allerdings ist eine spezielle Anwendung für einen solchen Dienst nicht einmal nötig, wenn das ganze über ein Hashtag läuft.
Ist nur noch die Frage, welches Hashtag wir dafür benutzen sollten. Es sollte nicht zu lang sein aber auch noch nicht haufenweise vorkommen, damit man es mit der neuen Funktion besetzen kann. Wie wäre es denn mit #theke? Oder lieber was auf Englisch? #enquiry? #inquiry? #infodesk?
Ich habe direkt mal begonnen...
2009-09-02
Wann ist Digitalität?
Das digitale Zeitalter bzw. "digital age" ist spätestens seit den 90er Jahren in aller Munde. Diese Ausdrücke sind offensichtlich gängige Etiketten für die Bezeichnung des Wandels unserer Gesellschaft zur Wissensgesellschaft, für die Verbreitung von Computer und Internet.
Diese Sprachpraxis zeigt, dass Digitalität meist an die elektronische Übertragbarkeit von Signalen gekoppelt wird. Ein Blick in die englischsprachige Wikipedia genügt indes, um darauf hingewiesen zu werden, dass digitale Medien [1] schon seit Jahrtausenden existieren. Eines der ältesten Beispiele für ein digitales - in diesem Fall sogar binäres - Medium dürfte das Leuchtfeuer sein, welches zwei unterschiedliche Zustände zur Verfügung stellt, um Information zu transportieren: es brennt oder es brennt nicht, an & aus.
Man könnte also behaupten, das digitale Zeitalter habe bereits vor tausenden von Jahren begonnen und die gängige Verwendung des Ausdrucks sei somit unpassend und irreführend. Unpassend und irreführend: ja. Allerdings würde ich jedoch den Beginn der digitalen Ära etwas später ansetzen, frühestens mit der Erfindung der Hieroglyphen um 3000 oder der Alphabetschrift um etwa 1500 bis 800 vor unserer Zeitrechnung. Erst hier hat sich die Praxis etabliert, komplexe Sachverhalte mittels eines Codes, d.h. eines beschränkten Inventars von Zeichen, zu kommunizieren.
Digitalität basiert auf Code
Und es ist der Code, an dessen Verwendung die Existenz von digitalen Medien notwendigerweise gebunden ist. Ein Code ist eine endliche Menge klar unterschiedener Typen. Der Code "Alphabet" zum Beispiel besteht aus 26 Buchstabentypen. Typen sind Klassen, abstrakte Entitäten. Schließlich würde niemand behaupten, er habe den Buchstaben 'A' gesehen, denn: Das 'A' gibt es nicht, ich sehe immer nur ein bestimmtes 'A'. Die einzelnen sichtbaren Erscheinungsweisen (die Token) eines Buchstaben sind äquivalent, untereinander austauschbar. Dies zeigt sich etwa darin, dass wir unzählige verschiedene Schriftarten haben, die sich miteinander kombinieren lassen und dennoch das Geschriebene nicht unleserlich machen.
Ein Code ist nie - wie Derrida schreibt - „strukturell geheim“. Selbst, wenn ich eine Schriftsprache nicht verstehe, kann ich den dahinterliegenden Code (das Alphabet) herausfinden und ihn wiedergeben. Bei der gesprochenen Sprache hingegen existiert ein solcher Code nicht, sie ist analog. Die Struktur einer oralen Sprache herausfinden heißt, diese Sprache verstehen. Ohne jedes Verstehen des Geäußerten sind die wahrgenommenen Laute nur Geräusch.
Digitales Zeitalter vs. Bitzeitalter
Was soll das Ganze hier? Texte sind digital, das Internet ist digital, wollen wir sie verstehen, müssen wir die Digitalität verstehen. Auch müssen wir Schrift und Computer(programm) unterscheiden können, um die Revolution, den Wandel verstehen zu können, den Computer und Internet mit sich bringen. In einem früheren Beitrag habe ich schon ein Phänomen beleuchtet, wo (Autoren-)Probleme dem Computer oder Internet zugeschrieben wurden, die sich letztlich auf die ursprünglichere Digitalität der Schrift gründen. Gerade mit der Entfaltung des Bitzeitalters (wie ich es jetzt mal nenne) ist meines Erachtens eine differenzierte Betrachtung angebracht, will man die Ursachen und Zusammenhänge bestimmter Phänomene und Probleme ergründen.
Was macht nun das Bitzeitalter aus? Was sind seine Eigentümlichkeiten? Welche zusätzlichen Features (und Bugs) bringt es mit sich?
Der Binärcode ist Resultat maximaler Reduktion - er besteht nur aus zwei Typen: ja/nein, an/aus. Elektronische Speicherung und Übertragung machen nun auch die Token nahezu körperlos, so dass Informationen sich problemlos und massenhaft kopieren und transportieren lassen und überall und jederzeit abrufbar sind. Dennoch können die Tokens wiederum nicht ohne körperliche Trägermedien existieren. Zudem ist für Menschen der Binärcode selbst nicht lesbar und somit untrennbar an Hard- und Software gebunden, die ihn lesbar machen. Hieraus ergeben sich dann etwa die Probleme der digitalen Langzeitarchivierung.
Welche weiteren Möglichkeiten und Probleme bringt das Bitzeitalter mit sich? Was sind die Eigentümlichkeiten von Programmcode, Hypertext und XML? Ich bin sicher, dass ich auf diese und andere Fragen zurückkommen werde. Zunächst bin ich aber mit diesen zwar grundlegenden aber nicht tiefgehenden, weil knappen Ausführungen am Ende angelangt.
[1] Im Unterschied zur gängigen Verwendung des Ausdrucks 'Medium' für körperliche Kommunikationsmittel (Fernsehen, Radio, Buch, Zeitung etc.) gebrauche ich einen weiten Medienbegriff, der auch Schrift, orale Sprache, Malerei usw. umfasst.
Quellen:
Mein Verständnis des Digitalen speist sich aus den Texten "Sprachen der Kunst" (hier: Kapitel IV) und "Revisionen" (hier: Kapitel VIII) von Nelson Goodman, der die Digitalität akribisch mithilfe logischer Terminologie definiert. Der Text "Signatur. Ereignis. Kontext" (u.a. hier (S.68-109) erschienen) von Jacques Derrida ist auch sehr aufschlussreich.
Diese Sprachpraxis zeigt, dass Digitalität meist an die elektronische Übertragbarkeit von Signalen gekoppelt wird. Ein Blick in die englischsprachige Wikipedia genügt indes, um darauf hingewiesen zu werden, dass digitale Medien [1] schon seit Jahrtausenden existieren. Eines der ältesten Beispiele für ein digitales - in diesem Fall sogar binäres - Medium dürfte das Leuchtfeuer sein, welches zwei unterschiedliche Zustände zur Verfügung stellt, um Information zu transportieren: es brennt oder es brennt nicht, an & aus.
Man könnte also behaupten, das digitale Zeitalter habe bereits vor tausenden von Jahren begonnen und die gängige Verwendung des Ausdrucks sei somit unpassend und irreführend. Unpassend und irreführend: ja. Allerdings würde ich jedoch den Beginn der digitalen Ära etwas später ansetzen, frühestens mit der Erfindung der Hieroglyphen um 3000 oder der Alphabetschrift um etwa 1500 bis 800 vor unserer Zeitrechnung. Erst hier hat sich die Praxis etabliert, komplexe Sachverhalte mittels eines Codes, d.h. eines beschränkten Inventars von Zeichen, zu kommunizieren.
Digitalität basiert auf Code
Und es ist der Code, an dessen Verwendung die Existenz von digitalen Medien notwendigerweise gebunden ist. Ein Code ist eine endliche Menge klar unterschiedener Typen. Der Code "Alphabet" zum Beispiel besteht aus 26 Buchstabentypen. Typen sind Klassen, abstrakte Entitäten. Schließlich würde niemand behaupten, er habe den Buchstaben 'A' gesehen, denn: Das 'A' gibt es nicht, ich sehe immer nur ein bestimmtes 'A'. Die einzelnen sichtbaren Erscheinungsweisen (die Token) eines Buchstaben sind äquivalent, untereinander austauschbar. Dies zeigt sich etwa darin, dass wir unzählige verschiedene Schriftarten haben, die sich miteinander kombinieren lassen und dennoch das Geschriebene nicht unleserlich machen.
Ein Code ist nie - wie Derrida schreibt - „strukturell geheim“. Selbst, wenn ich eine Schriftsprache nicht verstehe, kann ich den dahinterliegenden Code (das Alphabet) herausfinden und ihn wiedergeben. Bei der gesprochenen Sprache hingegen existiert ein solcher Code nicht, sie ist analog. Die Struktur einer oralen Sprache herausfinden heißt, diese Sprache verstehen. Ohne jedes Verstehen des Geäußerten sind die wahrgenommenen Laute nur Geräusch.
Digitales Zeitalter vs. Bitzeitalter
Was soll das Ganze hier? Texte sind digital, das Internet ist digital, wollen wir sie verstehen, müssen wir die Digitalität verstehen. Auch müssen wir Schrift und Computer(programm) unterscheiden können, um die Revolution, den Wandel verstehen zu können, den Computer und Internet mit sich bringen. In einem früheren Beitrag habe ich schon ein Phänomen beleuchtet, wo (Autoren-)Probleme dem Computer oder Internet zugeschrieben wurden, die sich letztlich auf die ursprünglichere Digitalität der Schrift gründen. Gerade mit der Entfaltung des Bitzeitalters (wie ich es jetzt mal nenne) ist meines Erachtens eine differenzierte Betrachtung angebracht, will man die Ursachen und Zusammenhänge bestimmter Phänomene und Probleme ergründen.
Was macht nun das Bitzeitalter aus? Was sind seine Eigentümlichkeiten? Welche zusätzlichen Features (und Bugs) bringt es mit sich?
Der Binärcode ist Resultat maximaler Reduktion - er besteht nur aus zwei Typen: ja/nein, an/aus. Elektronische Speicherung und Übertragung machen nun auch die Token nahezu körperlos, so dass Informationen sich problemlos und massenhaft kopieren und transportieren lassen und überall und jederzeit abrufbar sind. Dennoch können die Tokens wiederum nicht ohne körperliche Trägermedien existieren. Zudem ist für Menschen der Binärcode selbst nicht lesbar und somit untrennbar an Hard- und Software gebunden, die ihn lesbar machen. Hieraus ergeben sich dann etwa die Probleme der digitalen Langzeitarchivierung.
Welche weiteren Möglichkeiten und Probleme bringt das Bitzeitalter mit sich? Was sind die Eigentümlichkeiten von Programmcode, Hypertext und XML? Ich bin sicher, dass ich auf diese und andere Fragen zurückkommen werde. Zunächst bin ich aber mit diesen zwar grundlegenden aber nicht tiefgehenden, weil knappen Ausführungen am Ende angelangt.
[1] Im Unterschied zur gängigen Verwendung des Ausdrucks 'Medium' für körperliche Kommunikationsmittel (Fernsehen, Radio, Buch, Zeitung etc.) gebrauche ich einen weiten Medienbegriff, der auch Schrift, orale Sprache, Malerei usw. umfasst.
Quellen:
Mein Verständnis des Digitalen speist sich aus den Texten "Sprachen der Kunst" (hier: Kapitel IV) und "Revisionen" (hier: Kapitel VIII) von Nelson Goodman, der die Digitalität akribisch mithilfe logischer Terminologie definiert. Der Text "Signatur. Ereignis. Kontext" (u.a. hier (S.68-109) erschienen) von Jacques Derrida ist auch sehr aufschlussreich.
2009-08-17
minibib: Bibliothek im Park
Ein nettes Konzept: Bibliothek ohne Computer, ohne Ausweise und ohne Bibliothekare. Allein etwa 1000 Bücher verschiedener Sparten (Kinder-, Jugend- & Sachbücher, Romane) warten darauf ausgeliehen und gelesen zu werden. Die Bücher werden aus Schenkungen an die Stadtbibliothek ausgewählt und in der Minibib aufgestellt. Eine
Wir jedenfalls nahmen diese Gelegenheit zu einer kleinen Ruhepause mit Kinderbüchern gerne wahr und werden sicher auch in Zukunft öfter mal vorbeischauen...
Weitere Infos unter http://www.stbib-koeln.de/foerderverein/index.htm
2009-07-23
Grundoperationen der Katalogisierung
Bei der Katalogisierung lassen sich folgende sechs Aktionstypen, die ich weiter unten näher erläutern werden, unterscheiden:
- Klassifizieren,
- Normieren,
- Exzerpieren,
- Verknüpfen,
- Ein-/Zuordnen,
- Kooperieren.
Klassifizieren
Beim Klassifizieren handelt es sich um die Voraussetzung bibliothekarischer Inhaltserschließung (d.h., wenn man keine frei Schlagwortvergabe = Tagging zulässt ;-)). Klassifizieren besteht in der Erschaffung eines kontrollierten Vokabulars (einer Klassifikationen oder eines Thesaurus). Den Klassen einer Klassifikation werden in einem nächsten Schritt (vgl. Ein- und Zuordnen) die einzelnen Bücher und andere Medien zugewiesen, die es inhaltlich zu erschließen gilt und sie werden mit Schlagwörtern versehen, die Teil eines Thesaurus sind . In der Bibliothekswelt gilt traditionellerweise: Keine Klassenzuweisung ohne Klassifikation und keine Schlagwortvergabe ohne eine bestimmtes, d.h. vorgegebenes Repertoire möglicher Schlagwörter.
Normieren
Normierung oder Standardisierung geschieht bei der Katalogisierung in Bezug auf die sogenannten Ansetzungsformen. Dies sind die Vorgaben, wie man Entitäten, die über verschiedene Datensätze verteilt immer wieder auftauchen (können), in einen Datensatz einträgt, also Personen und Körperschaften (Institutionen wie Verlage oder Universitäten). Auch die Bestimmung von Schlagwörtern und Klassenbezeichnungen (d.h. die Klassifizierung) ist eine Normierung, der ich aber einen eigenen Punkt zugewiesen habe, weil Bibliothekarinnen dabei einen größeren Gestaltungsspielraum haben. Die Menge und Bezeichnung von Autoren und Körperschaften wird aber eben von außen vorgegeben.
Exzerpieren (&Anpassen)
Die sogenannte "Autopsie" bei der Formalerschließung, d.h. die Übernahme der Angaben von der Titelstelle und anderen Stellen eines Mediums in den Datensatz, ist nichts anderes als ein Exzerpt, eine Kopie von Teilen eines Textes. Darüberhinaus gibt es eben Regeln, welche Angaben einer Normierung (etwa durch eine Normdatei) unterliegen und dementsprechend im Datensatz angepasst werden müssen.
Verknüpfen
Verknüpfen gehört zumindest in Deutschland schon lange zur Katalogisierungspraxis. (Ich glaube im angelsächsischen Raum läuft das anders, ich kenne mich da aber nicht aus.) So werden die Autorenangaben, Schlagwörter und Körperschaften durch Angabe der jeweiligen ID mit ihrem Normdatensatz verknüpft.
Ähnliche und darüber hinausgehende Verknüpfungen sehen auch die noch nicht praktizierten Functional Requirements for Bibliogaphic Records (FRBR) vor. (Wie etwa Anne Christensen kürzlich mit Verweis auf den Horizon-Report geschrieben hat, spielen semantische Anwendungen (und als deren Grundlage semantische Annotationen und Verknüpfungen wie jene auf der Basis von FRBR) in Zukunft eine wichtige Rolle. Eine Umsetzung der FRBR wäre sicher ein Schritt in die richtige Richtung.)
Ein- bzw. Zuordnen
Das Einordnen vollziehen Katalogisierer durch die Einordnung von Katalogisaten in die Klassen einer Klassifikation. Schlagwörter werden einem Katalogisat zugeordnet.
Kooperieren
Ich weiß nicht, wann die Geschichte der kooperativen Katalogisierung begann, in den 70er Jahren wurde diese Praxis in Deutschland mit der Errichtung von Bibliotheksverbünden institutionalisiert. Durch die Möglichkeit maschineller Bearbeitung der Daten mittels Elektronischer Datenverarbeitung (EDV) war eine bequeme und effiziente Vervielfältigung und Nachnutzung der Daten Realität geworden. (Der Transport lief damals allerdings noch nicht elektronisch ab. Zum hbz gehörte lange Jahre ein Fahrzeug plus Fahrer, die für den Transport der Magnetbänder zwischen der Verbundzentrale und den Verbundbibliotheken zuständig war.)
Das Kooperieren fällt hier offensichtlich ein wenig aus dem Rahmen, weil es keine Tätigkeit wie die Vergabe von Schlagwörtern oder dar Erstellen einer Klassifikation ist. Kooperation stellt (idealerweise) den Hintergrund der gesamten Katalogisierung dar und berührt somit alle anderen Aspekte. Und eben weil die Arbeitsteilung und gegenseitige Unterstützung in der Katalogisierung ihren festen Platz hat, halte ich es für wichtig, diesen Aspekt hier auch anzuführen.
2009-07-16
Rettet das Urheberrecht, verbietet die Schrift!
Dieses ganze Geblubber von Leuten wie Roland Reuß und auch Volker Rieble gestern wieder auf einer Anti-Google- und Anti-Open-Access-Veranstaltung mit dem Titel "Autorschaft als Werkherrschaft in digitaler Zeit" im Frankfurter Literaturhaus, lässt einen nur ratlos mit der Schulter zucken.
Reuß und Rieble sehen sich offensichtlich als hochgeistige Menschen an, deren Schriftprodukte deswegen auch nur von einem erlauchten Kreis ebenso "intellektueller" Personen gelesen werden sollten. Alles andere würde ihre Werke entwerten. Deshalb müsse ein Autor derartige Kontrolle über sein Werk haben, dass er die Kontexte bestimmen kann, in denen das Werk präsentiert wird.
Zum Hintergrund meiner Interpretation hier einige Originalquellen und Paraphrasen entsprechender Aussagen von Reuß und Rieble.
Am 25.4.2009 schreibt Reuß in der FAZ:
Die Ansichten Reuß', die Andrea Diener unter dem Schlagwort "Texturheberschaft als Mutterschaft" zusammenfasst, passen doch vorzüglich in diese Weltsicht. Es ist eben die Schrift - und nicht das Internet -, die den Vätern und Müttern die Kontrolle über ihre geistigen Kinder schon lange entzogen hat. Vielleicht sollten Reuß und Co. also mal ihren Gedanken zuendeführen und den radikalen Schluss ziehen: Rettet das Urheberrecht, verbietet die Schrift! Dann würde wenigstens jeder auf Anhieb merken, was da für ein Unsinn geredet wird.
Reuß und Rieble sehen sich offensichtlich als hochgeistige Menschen an, deren Schriftprodukte deswegen auch nur von einem erlauchten Kreis ebenso "intellektueller" Personen gelesen werden sollten. Alles andere würde ihre Werke entwerten. Deshalb müsse ein Autor derartige Kontrolle über sein Werk haben, dass er die Kontexte bestimmen kann, in denen das Werk präsentiert wird.
Zum Hintergrund meiner Interpretation hier einige Originalquellen und Paraphrasen entsprechender Aussagen von Reuß und Rieble.
Am 25.4.2009 schreibt Reuß in der FAZ:
Niemand kann ihm [dem Wissenschaftler, AP] vorschreiben, in welchem Kontext sein Werk erscheint - oder gar diesen Kontext durch das unerlaubte Hochladen einer Arbeit auf irgendeinen Server bestimmen.Wolfgang Tischer paraphrasiert Reuß' gestrige Ausagen zum Thema wie folgt:
Open Access berge laut Reuß die Gefahr, dass das Werk in einer Art und in einem Umfeld präsentiert werden könnte, wie es der Urheber niemals intendiert habe.Thierry Chervel fasst Volker Riebles "Gedanken" zusammen:
Er [Volker Rieble] sah sich zum Beispiel als Teil einer Elite und möchte bestimmte seiner Werke nicht ohne seine Zustimmung einem von ihm als unqualifiziert angesehenen Netzpublikum zugeführt sehen.Passenderweise fügt Thierry Chervel hinzu: "Bei späterer Gelegenheit wird er sicherlich erklären, wie er den Zugang zu Bibliotheken zu regulieren gedenkt." An diesen Gedanken möchte ich anknüpfen und ihn weiterführen. Mich erinnert das Ganze nämlich doch sehr an die einschlägige Schriftkritik in Platons Dialog "Phaidros" (275d), wo es heißt:
Ist sie aber einmal geschrieben, so schweift auch überall jede Rede gleichermaßen unter denen umher, die sie verstehen, und unter denen, für die sie nicht gehört, und versteht nicht, zu wem sie reden soll, und zu wem nicht. Und wird sie beleidiget oder unverdienterweise beschimpft, so bedarf sie immer ihres Vaters Hülfe; denn selbst ist sie weder sich zu schützen noch zu helfen im Stande.(Übersetzung von Friedrich Schleiermacher, siehe auch den Phaidros im Projekt Gutenberg.)
Die Ansichten Reuß', die Andrea Diener unter dem Schlagwort "Texturheberschaft als Mutterschaft" zusammenfasst, passen doch vorzüglich in diese Weltsicht. Es ist eben die Schrift - und nicht das Internet -, die den Vätern und Müttern die Kontrolle über ihre geistigen Kinder schon lange entzogen hat. Vielleicht sollten Reuß und Co. also mal ihren Gedanken zuendeführen und den radikalen Schluss ziehen: Rettet das Urheberrecht, verbietet die Schrift! Dann würde wenigstens jeder auf Anhieb merken, was da für ein Unsinn geredet wird.
2009-07-06
Schlagworte oder Schlagwörter?
In letzter Zeit sind mir öfter Leute begegnet, die beim Sprechen (und leider auch Schreiben) nicht zwischen Worten und Wörtern unterscheiden. Diese Unwissenheit macht offensichtlich auch vor ProfessorInnen der Bibliotheks- und Informationswissenschaften nicht halt. Das "Deutschlehrermaskottchen" Bastian Sick (so etikettiert von Wiglaf Droste) hat natürlich schon längst die Verhältnisse klargestellt. Ich entblöde mich aber nicht, auch noch meinen Senf dazuzugeben, weil ich die Unterscheidung doch für das Bibliotheks- und Informationswesen als sehr relevant erachte. Damit also diese nützliche Unterscheidung aus unserer Sprache nicht verschwinden mag, hier mein Beitrag zum Erhalt dieser Differenz.
Wörter sind nicht Worte! Wörter kann man zählen, Worte nicht. Wörter sind linguistische Einheiten, in der Schrift durch zwei Leerzeichen von anderen Wörtern getrennt. Worte können Gedanken, Aussprüche, Gedichte oder sogar ganze literarische Werke sein. Kompliziert ausgedrückt: Wenn wir vom Wort 'Gott' sprechen, hat das Wort 'Wort' eine andere Bedeutung, als wenn wir uns über das "Wort Gottes" unterhalten. Ersteres hat den Plural 'Wörter' und letzteres den Plural 'Worte'.
Folglich ist es mindestens unglücklich, im bibliothekarischen Bereich von Schlagworten zu sprechen, wenn man über die Deskriptoren eines kontrollierten Vokabulars spricht, weil diese ein Musterbeispiel für eine abzählbare Menge von Wörtern sind, vergleichbar mit einem Wörterbuch. Und deshalb heißen sie Schlagwörter. Schlagworte, d.h. Slogans, Parolen oder Losungen, hingegen werden von Politikern, Journalisten oder Werbern benutzt. Sie können aus einzelnen Wörtern wie ganzen Phrasen bestehen, in einem Thesaurus sind sie aber nicht zu finden...
Wörter sind nicht Worte! Wörter kann man zählen, Worte nicht. Wörter sind linguistische Einheiten, in der Schrift durch zwei Leerzeichen von anderen Wörtern getrennt. Worte können Gedanken, Aussprüche, Gedichte oder sogar ganze literarische Werke sein. Kompliziert ausgedrückt: Wenn wir vom Wort 'Gott' sprechen, hat das Wort 'Wort' eine andere Bedeutung, als wenn wir uns über das "Wort Gottes" unterhalten. Ersteres hat den Plural 'Wörter' und letzteres den Plural 'Worte'.
Folglich ist es mindestens unglücklich, im bibliothekarischen Bereich von Schlagworten zu sprechen, wenn man über die Deskriptoren eines kontrollierten Vokabulars spricht, weil diese ein Musterbeispiel für eine abzählbare Menge von Wörtern sind, vergleichbar mit einem Wörterbuch. Und deshalb heißen sie Schlagwörter. Schlagworte, d.h. Slogans, Parolen oder Losungen, hingegen werden von Politikern, Journalisten oder Werbern benutzt. Sie können aus einzelnen Wörtern wie ganzen Phrasen bestehen, in einem Thesaurus sind sie aber nicht zu finden...
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